Trieb und Beherrschung - Porno im Exil?
May 26th, 2008
porno eigentliche Trieb ist wohl angeboren. Aber wie man ihn abbaut
> wird erlernt.
Nicht ganz. Schon das Wort “Trieb” ist bereits irreführend. Nennen
wir es besser Bedürfnis und die Ansiedlung der sexuellen Lust im
gleichen teil des Gehirns, wo sich auch alle anderen Gefühle
befinden, legt nahe, dass es sich eher um ein Gefühl handelt. Alle
anderen Gefühle sind ebenfalls angeboren, jedenfalls die
Grundgefühle. Ich sehe es eher so, dass man ständig mit der
Möglichkeit eines dieser Gefühle lebt. Man läuft quasi ständig mit
der Möglichkeit sexueller Erregung u.s.w. durch die Welt, ist also
ständig latent erregt aber auch latent wütend, traurig, fröhlich
u.s.w. Schlüsselreize oder auch Phantasien, die erlernt werden,
bringen es zum Ausbruch (was auch für Angst gilt), man hat es aber
selber im Griff, sofern man es gelernt hat, mit seinen Gefühlen
umzugehen, sich drauf einzulassen oder auch nicht. Es muss also
keinesfalls Beherrschung oder Verdrängung sein. Es kommt nicht selten
vor, dass man in einer gefährlichen Situation erst dann Angst
bekommt, wenn man sich darüber klar ist, dass man jetzt eigentlich
Angst haben müßte. Man muss sich also drauf einlassen. Manche
Menschen müssen sich bei Wut beherrschen, um nicht gewalttätig zu
werden. Andere brauchen sich bei gleicher Wut nicht zu beherrschen,
weil sie gelernt haben mit ihrer Wut so umzugehen, dass sie gar nicht
auf die Idee kommen, zur Gewalt zu greifen. Jedem juckt auch wohl
ständig latent der Rücken. Erst wenn ich daran denke, habe ich aber
das Bedürfnis nach Rückenkratzen. Wenn man gerade keine Gelegenheit
zum Sex hat, ist es absolut dämlich, sich mit Pornos und Phantasien
hineinzusteigern. Genausogut, aber das haben manche nicht gelernt,
kann man dem einfach keine Aufmerksamkeit schenken und vergißt es
dann einfach. Dazu ist oft nicht einmal bewußte Ablenkung nötig.
Gerade, wenn man sich vorgenommen hat, abzunehmen, denkt man den
ganzen Tag ans Essen. Erst durch dieses bewußte Selbstverbot kommt
das Gefühl zustande, dass man sich nun zwanghaft beherrschen müßte.
Manchmal nimmt man hingegen ganz unbewußt ab, weil man einfach
vergißt, ans Essen zu denken. Das erklärt dann auch, wieso sich
Dinge, die verboten sind, besonders viel Aufmerksamkeit verschaffen.
Es gibt durchaus Menschen, die trotz Gelegenheit zum Sex, lieber ihre
Aufmerksamkeit auf ein Hobby richten und erst, wenn sie damit
“fertig” sind, ihnen wieder auffällt, dass da ja noch was war. “Willi
(Du kennst den Comic sicher)” ruft vergebens “Hallo ich bin auch noch
da”, denn Chef hat gerade keine Zeit und hört ihm gar nicht zu. Bei
manchen Männern hat allerdings Willi die Chefposition eingenommen.
Das ist aber keine Naturgegebenheit.
Trieb klingt immer so, als sei man diesem ausgeliefert und kann sich
bestenfalls dagegen wehren. So ist es aber nicht. Man kann es selber
ganz locker im Griff haben, sich auf latente Bedürfnisse einzulassen
oder nicht. Dazu braucht es keine große Willensanstrengung, wenn man
den Umgang damit gelernt hat.