Archive for July 18th, 2008

Re: Milchmännchen-These ;-) - Porno im Exil?

Friday, July 18th, 2008

pornonn man unsere nächsten Verwandten anschaut, die Bonobos, dann haben
> die gar keinen Sex, um für Nachkommen zu sorgen, sondern aus
> Vergnügen.
Unsere nächsten Verwandten haben zum einen schon eine deutlch
unterschiedliche Sozialstruktur, und außerdem hat bei Bonobos Sex
auch eine ganz wesentlich aggressionshemmende Funktion innerhalb der
Gruppe! Ich habe im Übrigen auch nicht behauptet, dass die Sorge für
die Nachkommen der einzige Grund für Sex wäre… würde mir nicht im
Traum einfallen…
> Wir Menschen haben ja auch keine bestimmte
> Fruchtbarkeitszeit im Jahr. Außerdem, wieso können Frauen gut und
> gerne 50 mal am Tag, href=”http://www.teeny-porno.com/blog/teeny/private-porno-von-jennyn-madrigal.html”>wenn einmal im Jahr für die Fortpflanzung
> ausreicht, während Männer da viel begrenzter sind?
50 mal? Aber nicht mit Lust - oder? Doch? Uiii.
Im übrigen ist gerade die Unsicherheit des Unfruchtbarkeitszeitraumes
ein wesentliches Element, dass den Stress durch Nachstellung
reduziert.
> Wieso bildet Sex
> auch bei Männern das Oxytocin-Hormon (bewirkt Treue), wenn die
> eigentlich für das wahllose Verstreuen ihrer Gene geschaffen sind?
Erstens glaube ich Letzteres nicht (auch Männchen verstreuen ihre
Gene an möglichst gute Partner), und zur ersten Frage kann ich mich
nicht begründet äußern. Durchaus möglich aber, dass dies von den
Frauen manipuliert wird ;-) > Da läßt die Biologie mit ihrer Milchmännchen- These aber so einige
> Fragen offen.
Da läßt *jede* These einige Fragen offen. Das heißt nur noch lange
nicht, dass sie Blödsinn ist.
> Schon klar, dass es nicht immer so klappt, aber wieso sollte ich Lust
> haben, wenn ich einfach keine habe? Anzunehmen, ich hätte sie in
> Wirklichkeit und würde sie nur verdrängen, finde ich schon echt an
> den Haaren herbeigezogen.
Volle Zustimmung!
> …wobei es durchaus Leute gibt, die je nach Erziehung, aber auch
> eigenen Überzeugungen, gar nicht auf die Idee kommen immer gleich
> auszurasten. Die haben einfach andere Strategien gelernt, wie sie mit
> ihrer Wut umgehen. (Aggression ist nämlich eine Folge von Wut und
> kein Gefühl an sich)
Wir sollten vielleicht erstmal definieren, was wir unter Aggression
verstehen, bevor wir hier in die Tiefe gehen… Aggression im
biologische Sinn hat mit “Ausrasten” nicht unbedingt etwas zu tun,
sondern kann sich auch ganz gesittet äußern - deswegen aber nicht
weniger wirksam… auch in Bonobo-Gruppen gibt es Aggression, auch
wenn sie sich nur selten gewaltsam entlädt.
> Da gibt es wohl geteilte Meinungen. Die neueren gehen von einer
> wechselwirkenden Mischung von Anlagen, Umwelt und freiem Willen aus.
Was ich im Übrigen für richtig halte. Da wir nur an unserem Willen
wirklich arbeiten können, sind die darüber hinausgehenden Faktoren
eher Rahmenbedingungen, mit denen man bewusst umgehen sollte… was
aber eben auch heißt, dass man sich bemühen sollte, sie zu verstehen.
> Wo kommt z.B. kreatives Denken her, wobei es sich nicht um
> Reproduktion, sondern Neuschöpfung handelt?
Neuverknüpfung und Schrägverknüfung von Bekanntem? Jede Neuschöpfung
hat ihre Basis. Es ist daher auch kein Zufall, dass viele - auch
bahnbrechende - Neuschöpfungen parallel ablaufen.
> Scheint sich aber bereits getrennt zu haben, fühlt sich jedenfalls
> keiner für sinkende Geburtenraten verantwortlich.
Ich sprach ja von den evolutionären Grundlagen für’s Sexualverhalten.
Dummerweise sind diese instinktive Mechanismen im Zeitalter der
Empfängnisverhütung in Hinsicht auf die Fortpflanzung nur noch wenig
wirksam. Und die Geburtenrate wurde eben in der Vergangenheit auch
schon nicht bewußt gesteuert, sondern fiel als Nebenprodukt der
Sexualität automatisch ab, solange genug zu essen da war. Der
einzelne Mensch hatte nie das “Ziel”, sich zu vermehren. Nur: die,
die jetzt noch da sind, stammen alle von Menschen ab, die Sex hatten.
Hohe Nachkommenschaft ist u.a. in gewisser Weise vom Sexualverhalten
abhängig, und damit nimmt dies auch eine Schlüsselrolle in der
Evolution des Verhaltens ein.
> Das es da biologische Grundlagen gibt, bezweifelt ja keiner,
> aber wie hoch deren Einfluß ist, das ist die Frage.
Menschen gibt es seit wenigen Millionen Jahren. Erst seit einigen
hundert Jahren nimmt der Mensch bewußt Einfluß auf seine Reproduktion
(Abtreibung und Verhütung), und entkoppelt damit die Fortpflanzung
immer stärker vom Sexualverhalten. Der triebhafte Teil unseres
Verhaltensrepertoires ist kein relevantes Stück weiter als in der
Bronzezeit. D.h.: Wesentliche grundlegende Unterschiede zwischen den
Geschlechtern, die evolutionär einfach zwingend sind, weil sie sich
lohnen, das relevante Instinktrepertoire ist genau dasselbe. Der
einzige Unterschied ist, dass wir uns darüber heute klarer werden
können.
Das kuriose an solchen Diskussionen ist häufig, dass gar kein
Interesse besteht, sich über den Anpassungswert von Verhalten zu
informieren. Solange man das nicht versucht, braucht man gar nicht zu
diskutieren, wie hoch dieser Einfluss ist.
> Und was ist mit den
> Homosexuellen? Haben die nicht auch Lust am Sex auch ohne
> Reproduktionswillen? …oder Transsexuelle?
Lust am Sex ist schon bei beiden Geschlechtern “in den Genen”. Und
ein bißchen Streuung ist auch immer da (Homosexualität kommt übrigens
auch bei Tieren vor). Und kulturell kann sich da auch einiges
überformen…
> Die
> Vielfalt, die es beim menschlichem Verhalten gibt, kann man m.E.
> nicht mit diesen biologischen Thesen erklären, es sei denn man hält
> manche Leute für “unnormal” und ich dachte, über diese Diffamierung
> wären wir langsam hinweg.
Es ging mir nicht darum, hier ein universelles Erklärungsmodell
aufzustellen - schon gar nicht für die Vielfalt menschlicher
Sexualität. Es liegt mir auch wirklich fern, Leute mit anderer
Sexualität als der meinen als anormal zu diffamieren.
Es geht um ‘was Anderes: Die Unterschiede im Sexualverhalten zwischen
Männern und Frauen haben u.a. relevante biologische Gründe, die
verstehbar sind und die es sich zu verstehen lohnt. Sonst wird
einfach alles auf eine abstrakte Konstruktion der Triebe reduziert,
die zum Verständnis und damit zu einer bewussten Willensbildung
leider nur wenig beiträgt.
Ciao
Kabe